Erkrankung mit Ausscheidung großer Urinmengen infolge verminderter Fähigkeit der Nieren, den Harn durch Wiederaufnahme von Wasser zu konzentrieren.
Ursache: In den meisten Fällen liegt ein zentraler Diabetes insipidus vor, bedingt durch einen Mangel an ADH. Dieses Hormon wird in bestimmten Hirnarealen produziert und veranlasst die Nieren, Wasser aus dem produzierten Harn wieder ins Blut aufzunehmen. Die Bildung von ADH kann vermindert sein durch Hypophysentumoren, Gehirnverletzungen, -operationen oder -entzündungen oder durch Antikörper gegen Hirngewebe. Beim renalen Diabetes insipidus sprechen die Nieren nicht genügend auf das in ausreichenden Mengen produzierte ADH an. Diese Form kann vererbt oder durch Nierenerkrankungen erworben sein.
Befund: Betroffene müssen bis zu dreimal pro Std. Wasser lassen (Polyurie), sogar nachts. Der Urin ist hell, die Urinmengen betragen bis zu 25 Liter täglich. Die Erkrankten leiden unter unstillbarem Durst, der sie dazu zwingt, pausenlos große Mengen Flüssigkeit zu trinken (Polydipsie). Bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme besteht die Gefahr der Austrocknung. Bei Kleinkindern können bis zum 2. Lebensjahr statt großer Urinmengen dünnflüssige Stühle produziert werden. Zur Abgrenzung von zentralem und renalem Diabetes insipidus wird der Carter-Robbins-Test durchgeführt. Dabei wird überprüft, wie der Organismus auf intravenöse Gabe von höher konzentrierter Kochsalzlösung und nachfolgend ADH reagiert. Beim zentralen Diabetes insipidus führt die Gabe von ADH zu einem Absinken der ausgeschiedenen Urinmenge, während beim renalen Diabetes insipidus die Urinausscheidung nahezu unverändert bleibt.
Behandlung: Zunächst muss die Grunderkrankung therapiert werden. Bei zentralem Diabetes insipidus kann ein dem ADH ähnliches Mittel als Nasenspray genommen, bei renalem Diabetes insipidus können (paradoxerweise) bestimmte harntreibende Mittel helfen. Wichtig ist immer ein Ausgleich der Flüssigkeits- und Salzverluste.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 07.12.2010
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